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16.10.1973 - Ein Tag bei Dr. Daniel in Porz/Rhein !!!
Lieber Tefi-Freund !
Es ist der 16. Oktober 1973 - ein sehr regnerischer und trüber Tag.Ich bereite meinen PKW mit Anhänger vor um nach Porz am Rhein bei Köln zu fahren. Dort sollte ich Herrn
Dr. Daniel treffen, den Erfinder des Tefifons. Nach gut 3 ½ stündiger Fahrt erreiche ich mein Ziel, die Ohmstr. 90 in Porz.
Die erste Überraschung ist für mich, daß ich ein relativ schlichtes Einfamilienhaus mit
Garten vorfinde, anstatt einer Villa wie von mir vermutet. Im Garten stehen viele "große Steine" - auch Fossilien genannt. Hierauf komme ich später noch zurück.
Voller Erwartung drücke ich bei gleichzeitigem Herzklopfen den Klingelknopf.
Es dauert einen Moment und ein älterer Herr öffnet mir die Tür -
Herr Dr. Daniel - damals 68 Jahre alt.
Nach kurzer Zeit steht eine "Antenne" zwischen uns Beiden und wir kommen so richtig ins Plaudern.
Ich stelle mich vor als ein Sammler von überwiegend mechanischen Musikinstrumenten mit einem eigenen Privatmuseum, jedoch auch Sammler von alten Radios, bedingt durch meinen Vater der seit 1924 eine Funkamateurlizenz besitzt.
(DL 6 VD)
Im Laufe der Zeit erfahre ich viel über Tefifon bzw. über die Art und Weise wie Tefifon zustandegekommen ist.
Als "junger Wald - und Wieseningenieur" habe er sich einen Anrufbeantworter gebaut. Leider sei ihm die Reichspost auf die Schliche in den 30er Jahren gekommen und
habe Ihn zu 100.000,-- Reichsmark Strafe verdonnert.
Da nun schon mal das System des Anrufbeantworters vorhanden war habe er und einer seiner Mitarbeiter darüber nachgedacht, was man denn noch alles damit
anfangen könne. Irgendwann kam die Idee damit Musik aufzunehmen;
das "Tefifon" war geboren.
Eine Episode aus der Zeit des 3. Reiches
Es kam die Zeit des Dritten Reiches, der 2. Weltkrieg brach aus und Dr. Daniel wurde auch hier nicht von den Großen des Reiches verschont.
Deutsche Kampfflugzeuge flogen z.B. nach Russland und wurden - ohne es zu wissen - per falschem Peilfunk auf russischen Boden geholt. Die Russen waren in der Lage den deutschen Peilfunk nachzuempfinden.
Dr. Daniel wurde zu Goebbels, Göring und Hitler befohlen und mit dem Kampfflieger Udet wurde das Problem des Peilfunkes besprochen. Dr. Daniel erfand eine Art Tefifon für Stukka-Kampfflugzeuge, er nannte es
Sprachkennungsgeber. Laienhaft von mir ausgedrückt, baute er ein Schallband mit nur einer Unendlichrille in eine kleine Blechdose ein. Die Bezeichnung war SKG 10.
Auf diesem Band war außer einem Signal noch zusätzlich z.B. eine Frauenstimme mit Namen "Marika" - "Katharina" o.a. (Unter Tränen bekam ich von Ihm sein letztes SKG 10 mit dem Namen "Katharina").
Das Band spielte dann z.B. "piep-piep-Marika" und nicht nur "piep-piep" wie der Peilton der Russen. Für diese Kombination habe z.B. Marika Rökk mehrere hundertmal ihren Namen aufsprechen müssen.
So wußten die deutschen Flieger in welcher Richtung die Heimat ist oder auch nicht. Außerdem habe sich Goebbels und Göring über die Zuständigkeit gestritten, weil die
Erfindung des Tefifones zuerst unter dem Begriff "Schallfilm" lief und somit Goebbels als Propagandaminister - dem auch der Film - unterstellt war, Anspruch anmeldete.
Später sei dieser Begriff in "Schallband" abgeändert worden und somit war Göring als Reichsmarschall zuständig. Ich bekam von Herrn Dr. Daniel mehr oder weniger "Prototypen" von Tefifon ähnlichen
Instrumenten Z.B. wurden bei den ersten Geräten die Schallbänder ausschließlich in Blechdosen eingebaut, auch die Geschwindigkeit war eine andere. Er baute Tefifongeräte aus durchsichtigen Plastikgehäusen zwecks
Anschauungsunterricht. Er baute Tefifone für die Wehrmacht, gekoppelt mit Filmapparaten.
Ich bekam mehrere Bänder auf denen der Vermerk war "Ausschließlich für die Nutzung der Wehrmacht" - Streng geheim! Inhalt z.B. :
Die Abschußgeräusche der Rakete "V 1", gebaut von Wernher von Braun !!!
Ich bekam ein ganz kleines Radio - den Tefi-Zwerg !
Ich erhielt ein sogenanntes Tefi-Studio. Ein Gerät mit 2 Tonarmen. Der erste Tonkopf war für das bekannte Tefifion Schallband, der 2. Tonkopf für ein Magnetband zwecks
Aufnahme und Wiedergabe. Praktisch eine Kombination zwischen Tefifon Schallband und Tonband. Im Laufe der Zeit wurden über 800 Patente weltweit angemeldet und man habe damit viel Geld verdienen können.
So habe z.B. das große 4 Stunden Tefiband in der Herstellung 68 Pfennig gekostet, der anfängliche Verkaufspreis lag wohl bei DM 30,-- bis 40,--.
Später wurden die Bänder verbillgt für DM 9,-- angeboten.
Nach dem Krieg und in den Fünfziger Jahren habe die FLICK-GRUPPE mehr und mehr versucht in seiner Firma Fuß zu fassen.
Diese Leute wollten mit der Tefifonidee Geld verdienen - er wollte jedoch weiterhin Forschung betreiben. So kam es wie es kommen mußte -
Dr. Daniel wurde aus seiner eigenen Firma "rauskomplimentiert" und schied 1957 aus dem Unternehmen aus. Das Ende von Tefifon war vorgezeichnet, d.h. man konnte im Prinzip nicht damit
aufnehmen wie bei den üblichen kleineren MC-Tonbandcasetten, die bereits auf dem Markt waren. Um 1961/62 wurde Tefifon mehr oder weniger verramscht und letztlich über Neckermann vertrieben bis zum Zusammenbruch.
Dr. Daniel zog sich zurück, gründete eine neue Firma, ELEKTROMETALL - die mit ca. 300 Mitarbeitern Druckschaltungen für Kernreaktoren herstellte. Amerikaner, Japaner und auch die Russen wurden seine Kunden.
Visitenkarte
Anläßlich meines Besuches bat er mich in sein Büro. Wir setzen uns an seinen Schreibtisch, er öffnete die Schublade und warf
mir ein mit seinen Händen zerknüddeltes Etwas über den Schreibtisch, zu. Was ist das, fragte er ? Ich betrachtete das Knäuel, faltete es auseinander und erwiederte "eine Druckschaltung".
Ja, das sei richtig, aber - für welchen Zweck ? Dies konnte ich nicht beantworten. Er erklärte mir, daß dies eine Druckschaltung auf einer Spezialfolie sei die er in
Zusammenarbeit mit den Ford-Autowerken entwickelt habe. Die Schaltungen seien auf ein siebzehntausendstel Millimeter geäzt !!!???
Bei künftigen Unfällen o.ä. sei diese Folie eine prima Idee die bis dato vorhandenen Kabelbäume zu ersetzen. Man könne diese Druckschaltungen einfach auf das Blech kleben und überlackieren.
Dies Gebiet sei so jungfreulich, daß er sich mit seinen 68 Jahren noch mal so richtig austoben könne, so seine Worte. Z.Zt. meines Besuches war in Südafrika ein großer Streik der Bergarbeiter in den
Kupferminen, d.h. Herr Dr. Daniel hatte große Schwierigkeiten genügend Kupfer für seine Druckschaltungen zu bekommen. Just in diesem Moment ging die Bürotür auf und Frau Daniel brachte Ihm die
erfreuliche Mitteilung, daß es Ihr soeben gelungen sei, aus Südafrika 5 Tonnen Kupfer zu bekommen. Das Fachgespräch ging langsam aber sicher zu Ende und er bat mich in seine
privaten Kellerräume um mir sein Hobby zu präsentieren.
Herr Dr. Daniel befaßte sich mit der Entstehung der Welt.
Zu diesem Zweck habe er mit seiner Frau noch mit 60 Jahren die goldenen Bergsteigernadel erworben. Diese Auszeichnung befähigte Beide, 4000 Meter hohe Berge zu besteigen um
nach Fossilien zu suchen. (Daher also die vielen versteinerten Dinge in seinem Garten). In Glasvitrinen konnte er mir einen großen Querschnitt an Versteinerungen zeigen, u.a.
einen alten Baumstamm. Hier hakte er ein und erzählte mir, daß er zwei bis dreimal im Jahr bei sich zu Hause Treffen organisiere, bei denen wichtige Persönlichkeiten aus
der Forschung über die Entstehung der Welt fachsimpelten. Wie peinlich sei es ihm gewesen, daß er sich bei diesem versteinerten Baumstamm um nur 50 Millionen Jahre verrechnet habe !!!???
Ein schöner Besuch ging langsam aber sicher zu Ende. Ich verpackte bei strömendem Regen meine neu erworbenen Tefifon-Schätze und war im Begriff abzufahren.
Es klopfte an die Scheibe und Herr Dr. Daniel drückte mir einen Zwanzigmarkschein in in die Hand für Benzingeld und den besten Wünschen für eine gute Heimfahrt !
Da war tief durchatmen angesagt -honorig und bescheiden - wie er sich vermutlich sein Leben lang gegeben hat !
Nur 4 Jahre später, am 31.Juli 1977 verstarb Herr Dr. Daniel im Alter von nur 72 Jahren.
In den Achtziger Jahren habe ich dem Kölner Stadtmuseum die wichtigsten und seltesten Geräte überlassen. Damit war sichergestellt, daß die Geräte an den Ort
zurückgekehrt sind wo sie einmal gebaut wurden. Durch die Museumspräsentation haben die Tefi-Freunde Zugang zu diesen seltenen Geräten gefunden.
Im Laufe der letzten 30 Jahre sind mir nicht nur ca. 400 Tefi-Geräte und tausende von Schallbändern durch die "Hände gegangen" sondern auch viele Unterlagen.
Kataloge, Betriebsanleitungen, Werbeschriften, Kaufverträge u.v.m. Diese stelle ich gerne jedermann kostenlos zur Verfügung, d.h. Kopien zum Selbstkostenpreis können angefordert werden.
In den letzten 3 Jahren habe ich sehr viele Unterlagen in meinem PC eingescannt und kann diese auf Wunsch in bester Farblaserqualität ausdrucken lassen. Bitte nenne Sie mir Ihre Wünsche, ich helfe gerne.
Bitte denken Sie immer daran, daß ich kein Tefi-Spezialist bin sondern Restaurator und freier Sachverständiger für alte mechanische Musikinstrumente.
Dennoch liebe ich die Tefifone. Ist die Musik der 50er und 60er Jahre doch eine Erinnerung an meine Jugend. Wer hat danach nicht getanzt ? Ihr Werner Baus
N.B.: Natürlich bin ich weiterhin auf der Suche nach Geräten, Dokumenten, bzw. kompletten Ladeneinrichtungen von Tefi oder Werbeschildern. Bitte bieten Sie mir alles an, auch leihweise gegen eine Gebühr bzw. im Tausch. Vielen Dank !
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